Herr Nussbaum, Sie bauen seit einigen Jahren schon Gemüse in friedfertigem Landbau an. Was ist das Besondere bei Ihrem Hokkaido Anbau?
Wir Landwirte im friedfertigen Landbau betreiben seit vielen Jahren eine Landwirtschaft, in der wir den Boden, den Acker, die Pflanzen, die Tiere und die Kleinstlebewesen im Boden und auf dem Boden achten. Wir haben einen Weg eingeschlagen, der sich auf die Basis der Bergpredigt des Jesus von Nazareth und der 10 Gebote stützt. Dort geht es darum, das Leben zu schützen und zu unterstützen. Dies ist in der konventionellen und oftmals auch in der BIO-Landwirtschaft leider nicht der Fall. Dort werden "Schädlinge", "Unkräuter", Pilze, Bodenlebewesen usw. getötet, sei es mit chemischen oder "biologischen" Hilfsmitteln. Der friedfertige Landbau dagegen fördert Schritt für Schritt wieder die Fruchtbarkeit der Felder. Es entsteht ein Boden, der selbst seine Nährstoffe, Spurenelemente und Aromastoffe aufbauen und diese weiter an die Kulturpflanzen abgeben kann, in unserem Fall an den edlen Hokkaido Feinschmeckerkürbis.
Womit düngen Sie denn?
Zur Erholung und Regeneration der Felder bauen wir, wie früher, wieder in der Dreifelderwirtschaft an, d.h. wir gönnen den Feldern nach zwei Jahren Anbau ein Ruhejahr. In diesem Ruhejahr kann sich das Feld erholen, man könnte sagen: selbst "heilen" mit Hilfe der Beikräuter, die es wachsen lässt. Manchmal wird auch bewusst eine sogenannte Gründüngung eingesät (z.B. Klee, Luzerne, Phacelia, Erbsen, Bohnen, Leguminosen etc.) zur Humus- und Nährstoffbildung.
Im letzten Winter gaben wir auf einige Felder Mulch und Kompost. Vor der Saat und während der Saat kam wahlweise Gesteinsmehl, Getreidekleie und Erbsenschrot dazu. So konnte die Saat auf natürliche Art keimen und wachsen.
Während der Pflege im Frühsommer wurden die Jungpflanzen mit stärkenden Suden besprüht, u.a. auch mit Kristallsalz und deren wertvollen Spurenelementen.
Diese verschiedenen pflanzlichen Dünge- und Stärkungsmittel dienen vorrangig als "Futter" für das Bodenleben und die Kleinstlebewesen, die dadurch ein gesundes Milieu für die Kulturpflanze schaffen können.
Hervorzuheben ist, dass wir ohne chemische und ohne tierische Dünger und ohne Klärschlamm arbeiten, was in der heutigen Zeit etwas ganz Besonderes ist. Wir sind erschüttert, in welch großen Mengen mit Schlachthausabfällen (Knochenmehl, Blutmehl, Hornmehl, Schweineborsten, Kühhörner, Haar- und Fellteile etc.) in Form von Pellets "gedüngt" wird.
Mist und Gülle in diesen Mengen und Konzentrationen, wie sie durch die Massentierhaltung entstehen und tonnenweise auf's Feld geschüttet werden, töten das Mikrosystem im Boden.
Nach meinem Verständnis gehören solche Bestandteile auf kein Feld, auf dem Lebensmittel wachsen sollen! In der BIO-Landwirtschaft sind gerade diese "Stoffe" ein sehr begehrtes "Hilfsmittel". Die Behörde (EU-Öko-Kontrollstelle) erlaubt dies.
Und was machen Sie gegen Schädlinge?
Friedfertiger Landbau heißt: gesunder Boden, gesunde Pflanzen, gesunde Früchte. Wenn wir mehr und mehr den Boden achten und ihn unterstützen mit natürlichen, friedfertigen Stärkungsmitteln, dann gibt es immer weniger Raum für "Schädlinge", weil die Pflanzen stark und gesund sind. Bei den Hokkaidos haben wir kaum "Schädlinge". Während der Vegetationszeit hat es auf dem Felde viele, viele Insekten wie Marienkäfer, Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.
Und wie sind die Ernteerträge im Vergleich zum konventionellen und zum Bio-Landbau?
Durch den Verzicht auf massiv treibende Wachstumsstoffe wie stickstoffhaltiger Kunstdünger, Gülle oder Schlachtabfälle haben wir nicht die Erträge wie in der konventionellen oder in der Bio-Landwirtschaft. Wir können das ernten, was sozusagen "von alleine" wächst, mit guter Pflege und mit Unterstützung durch rein pflanzliche Bodenhilfsstoffe. Zudem entfällt durch die Brache jedes dritte Jahr die volle Ernte. Darum auch der etwas höhere Preis für friedfertig angebaute Lebensmittel. Die Natur dankt es dem Kunden u.a. mit viel Geschmack und Qualität. Friedfertig angebautes Gemüse hat ein ganz anderes Aroma als Gemüse, das mit tierischen Abfällen oder chemisch erzeugten Kunstdüngern, geschweige denn Klärschlamm als Nährstoffbasis gedüngt wurden. Die langjährige Treue vieler Kunden bestätigt dies.
Vielen Dank für Ihre Auskunft und weiterhin viel Erfolg mit dem friedfertigen Landbau.
Mehr über den Friedfertigen Landbau
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